Von Apfelplantagen, Reisfeldern und Pappel–Gärten

Unsere Veloreisen-Testerin Brigitte Langhart berichtet von ihrer Veloreise in Norditalien: Gemeinsam mit 36 begeisterten Velofahrerinnen und Velofahrern erkundet sie das Südtirol und die Po-Ebene.

Bericht von Brigitte Langhart

21.–27.05.2017, Velo-Etappenreise Südtirol Mantua

Es geht mir, wie wohl den meisten, wenn die Reiseunterlagen eintreffen: Vorfreude herrscht! Gespannt breite ich das reichhaltige Material vor mir aus und studiere die Infos und Tipps, um alle Vorbereitungen meinerseits zu treffen. Genau, denn wir werden ja bereits am ersten Tag aufs Velo steigen…

Los geht’s!

In Wiesendangen steige ich in den Zubringerbus. Darin sitzen auch Teilnehmer anderer Reisen, die alle nach Rütihof wollen. Dort geht es fast zu und her, wie in einem geschäftigen Bienenhaus. Kompetent werden wir aber zu unseren Bussen dirigiert, wo ich meine künftigen Veloreise-Begleiter kennenlerne. Ein Blick in die Runde genügt: das kommt gut! Velofahrer sind ja normalerweise ein unkompliziertes Völkchen.

Chauffeur Georg weist uns vorausschauend darauf hin, dass wir die Velobekleidung bitte im Bus bereithalten sollen. Denn in Glurns starten wir bereits die erste Veloetappe. Georg müsste sonst alle gut verstauten Koffer wieder herausholen... Pünktlich um 8.00 Uhr geht die Reise los, jeder auf seinem zugewiesenen, bzw. reservierten Platz. Ich selbst habe zuhinterst zwei Sitze für mich, welch ein Luxus. Ansonsten ist der Bus mit 37 Gästen gut ausgelastet.

Das Reiseleiter-Team

Unsere Reiseleiter Joe und Hanspeter begrüssen jeden Teilnehmer persönlich und stellen sich am Mikrofon kurz vor. Das schätze ich sehr. So kommt es mir bald vor, als würde ich die zwei schon lange kennen. Während der Fahrt verteilen sie uns ein Velotrikot, welches wir von der Firma Twerenbold als Geschenk erhalten. Bei unserer Ankunft im Südtirol stösst der dritte Reiseleiter dazu: Der einheimische Romed weiss sehr viel aus der Region zu berichten; sei es über Landwirtschaft, Politik oder über die turbulenten Zeiten der vergangenen Jahrhunderte.

Velos, E-Bikes und eine Easy Riderin

Bevor wir die erste Etappe in Angriff nehmen, stellen wir die Mieträder auf die einzelnen Velofahrer ein. Für die Flyer-Fahrer gibt es eine Kurz-Instruktion. Am zweiten Tag kontrolliert Reiseleiter Hanspeter während der Fahrt, ob Höhe des Sattels und der Lenkstange stimmen. Mein Tourenvelo und ich haben den Test prompt nicht bestanden: ich könne glatt als Easy Rider durchgehen, viel zu hoch sei der Lenker, meint Hanspeter. Zum Glück steht da noch ein Reserverad im Veloanhänger. Welch ein Luxus! So starte ich ab dem Folgetag mit einem Countrybike und kann nun viel besser auf- und absteigen.

Gut eingeteilt ist halb gefahren

Wie angemeldet teilen die Reiseleiter die Gruppen in sportlich oder gemütlich ein. Wer merkt, dass er in seiner Gruppe unter- oder überfordert ist, findet mit den Reiseleitern nach einer anderen Lösung und wechselt die Gruppe. So kann es sein, dass in jeder Gruppe E-Bike und „Normale“ Velofahrer unterwegs sind. Ich selber fahre in allen Gruppen mit, um alle Varianten ausgiebig zu testen. Gleichzeitig habe ich die Aufgabe gefasst, einige Fotos zu schiessen. So fahre ich immer mal wieder vor, um mich mit der Kamera vor schöner Kulisse die Gruppe abzuwarten, um diese fröhlich über eine Brücke radelnd, abzulichten.

Unterkunft und Verpflegung

Die ersten drei Tage logieren wir im einfachen Hotel Heide in Auer. Es ist zweckmässig und sauber eingerichtet. Das Morgen- und Nachtessen ist reichhaltig. Die Atmosphäre ist freundlich-familiär. Im zweiten Hotel in Cerese, wo wir die letzten drei Nächte logieren, fühlen wir uns nicht mehr gleich wohl. Es erinnert an ein Businesshotel und wir vermissen – im Vergleich zum ersten – die familiäre Atmosphäre. Die Äpfel, die hier im Südtirol ja tatsächlich tonnenweise lagern, vermissen wir zunächst. Dem wird aber rasch abgeholfen. Ab Dienstag steht für uns eine Kiste Äpfel bereit. Mmmh... welch ein Genuss. Am letzten Abend ist für uns ein Abendessen in Mantua reserviert. Demensprechend stürzen wir uns in „Schale“. Ich freute mich schon lange, endlich einen typisch italienischen Abend zu verbringen.

Italienisches Flair: Meran und Ferrara

In Meran herrscht mediterranes Wetter: 30 Grad blinkt es auf einer Anzeige! Wir parkieren die Velos bei der Therme. Dort holt uns eine Stadtführerin ab, um uns die reizende Kleinstadt näher zu bringen. Dem einen oder anderen wird es dann doch etwas zu kopflastig und er oder sie taucht in der flanierenden Menge unter, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Im Vorfeld hatte ich schon viel Schönes von der Velostadt Ferrara gehört, dessen Stadtkern zum UNESCO-Welterbe zählt. Mit einer Stadtführerin erkundeten wir am 5. Tag die Altstadt per Velo. Die sehr belesene Führerin war in ihrem Element und erzählte vor allem von der Herrscherfamilie Este vom 14.-16. Jahrhundert.

Mein Fazit

Der Kontrast vom Südtirol mit seiner üppigen Vegetation flankiert von hohen Bergen zur südlich gelegenen Po-Ebene mit den riesigen Getreidefeldern und unendlicher Weitsicht waren für mich die Highlights dieser Reise. Es ist ein herrliches Erlebnis auf den gut ausgebauten Velowegen durch diese fruchtbare Gegend zu radeln.

Was ich mir gewünscht hätte, war etwas mehr freie Zeit. Sei es, um durch die schönen Orte zu schlendern oder um kulinarisch etwas mehr zu erleben. Die Zeit war stets etwas knapp, wenn wir auf eigene Faust ein Restaurant für das Mittagessen auswählen konnten. Kaum gespiesen, sassen wir wieder auf dem Sattel.

Diese Reise empfehle ich Veloreisenden, die ein abwechslungsreiches Programm schätzen: Berge, Wasser, Obst- und Weinbau. Aber auch Kulturinteressierte kommen bei den Stadtführungen voll auf ihre Rechnung. Ich persönlich komme mit viel Erfahrungen reicher und mit rund 350 Velo-Kilometern in den Waden zurück nachhause. Schön war’s!»

Bericht zu den einzelnen Tagesetappen lesen!

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