Reisetipp

Portugal – Im Land der Seefahrer

Westlicher geht es nicht: In Portugal, am Cabo da Roca, hat das europäische Festland ein Ende und trifft auf den Atlantischen Ozean. Die geheimnisvollen blauen Weiten weckten im 15. Jahrhundert den portugiesischen Entdeckergeist. Eine Seefahrernation war geboren und schrieb über hundert Jahre Geschichte. Ersegelten die Portugiesen damals die Welt, entdeckt die Welt heute Portugal.

Im 15. Jahrhundert stieg Portugal zur Seefahrernation und Weltmacht auf. Den Grundstein dafür legte der Infant Henrique, besser bekannt als Heinrich der Seefahrer (1394–1460). Er selbst unternahm keine grössere Seereise, war aber der Kopf hinter grossen Entdeckungsfahrten. Während der Regierungszeit Manuel I. (1495–1521) erlebte Portugal sein goldenes Zeitalter. Vasco da Gama fand 1498 den Weg nach Indien, Magellan umrundete 1519 bis 1522 als erster die Erde. Mit dem Erfolg in der Seefahrt stieg Portugal zur Kolonialmacht mit Kolonien in Afrika, Asien und Südamerika auf. Die Ära als Weltmacht endet mit der spanischen Fremdherrschaft ab 1580.

Zwei Metropolen im Wetteifer

Hier Lissabon, die offizielle Hauptstadt mit den prächtigen Avenidas und Plätzen; dort Porto, das als «heimliche Hauptstadt» gehandelt wird und Lissabon punkto Charme in nichts nachsteht.

Weltstadt Lissabon

In Portugals heutiger Hauptstadt Lissabon überdauerten zwei steinerne Zeugen des goldenen Zeitalters das grosse Erdbeben von 1755. Der Torre de Belém, der einst die Hafeneinfahrt bewachte, und das Hieronymitenkloster – beides Weltkulturerbe – sind reichlich mit Ornamenten im Stil der Manuelinik verziert. Das Seefahrerkloster liess König Manuel I. errichten, nachdem Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckt hatte. Mit der Seefahrt wurde Lissabon am Ufer des Tejo zu einer der wichtigsten Handelsmetropolen ihrer Zeit. Wie Rom steht sie auf sieben Hügeln. Auf einem davon wacht die Ruine des Castelo de São Jorge über die Stadt, rundherum scharen sich die alten Viertel mit ihren verwinkelten Gassen: das Fischerquartier Alfama, ältestes Stadtviertel Lissabons, das Viertel Graça und die Mouraria, das ehemalige Maurenviertel. In seinen Tavernen soll der Fado geboren worden sein.

Porto, altehrwürdige Handelsstadt

Die heute zweitgrösste Stadt Portugals erkor Alfons VI. zur Hauptstadt der Grafschaft. Den Geist vergangener Tage spüren Besucher noch im Altstadtviertel Ribeira. Vom Ufer des Flusses Douro aus ziehen sich die schmalen Häuser den Hang hinauf. Hoch oben thront die Kathedrale mit dem ehemaligen Bischofspalast. André Wilberger, Leiter Pauschalreisen bei Twerenbold Reisen und Porto Kenner,empfiehlt: «Das historische Zentrum von Porto mit seinem Labyrinth mittelalterlicher Gassen entdeckt man am besten zu Fuss. Und wer viele Stufen nicht scheut, steigt für einen Rundumblick auf die Torre dos Clérigos, das 75 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt.» Lebendig geht es am Cais da Ribeira, dem ehemaligen Flusshafen, zu: Restaurants und Cafés in den Lauben der Kaimauer laden zu einer Verschnaufpause ein. Der Blick schweift über den Douro hinüber nach Vila Nova de Gaia, wo die Portweinkellereien ihren Sitz haben. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Weinfässer noch auf flachen Booten mit langen Rudern, den Barcos Rabelos, aus dem Douro-Tal nach Vila Nova de Gaia transportiert. Hier reifte der Portwein, bevor er in die weite Welt verschifft wurde.

Persönliche Highlights von André Wildberger, Leiter Pauschalreisen

Bahnhof São Bento

Zu einem Streifzug durch Porto gehört ein Abstecher zum Bahnhof São Bento. Riesige Azulejo-Bildwände des portugiesischen Künstlers Jorge Colaço (1868 –1942) schmücken die Bahnhofshalle. Die Bilder – bestehend aus über 20 000 Azulejos – erzählen aus der Geschichte Portugals und vom Landleben.


Eléctrico 28

Sie ist Lissabons wohl berühmtestes Fotomotiv: Die nostalgische, gelbe Strassenbahn zuckelt hügelauf- und -abwärtsdurch die Altstadt. Den Fahrtwind im Haar, erhalten Besucher einen ersten Eindruck von den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.


Parque das Nações

1998 vereinte Lissabon die Nationen am Ufer des Tejo. Das ehemalige Weltausstellungsgelände verströmt futuristisches Flair und ist Ort für Kultur und Freizeit. In den Pavillons finden Konzerte und Ausstellungen statt, im Park lassen Portugiesen und Touristen die Seele baumeln. Im Ozeanarium leben rund 15 000 Fische, Vögel und Säugetiere.

Coimbra

Die erste Residenzstadt des Königreichs Portugal ist heute lebendige Universitätsstadt. Auf ihrem höchsten Punkt mit fantastischer Aussicht steht die älteste Universität Portugals. Das alte Universitätsgebäude war früher der Königspalast, die Bibliothek gilt als schönster Barockraum des Landes.

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