Veloguide Peter, Product Managerin Verena und Eddy strahlen nach der Wiedervereinigung mit
ihrem Gepäck.
Umwege für Traumwege
07. Oktober 2026Autor: Veloreiseleiter Edgar Märki
Es war ein Oktobermorgen, kühl und stürmisch und meine Frau fuhr mich zum Flughafen Zürich, wo ich mich mit meinen Kollegen Verena, der Product Managerin und Peter, einem weiteren Velo-Guide treffen sollte. Der Auftrag war: Die neue Veloreise vom Atlantik zum Mittelmeer rekognoszieren. Eine Route, die später vielen Gästen Freude bereiten sollte – vorausgesetzt, wir prüften sie gründlich.
Bei einem ersten Kaffee im Terminal besprachen wir die bevorstehende Tour. Reko bedeutet bei
Twerenbold: alles anschauen, alles testen, alles hinterfragen. Und am Ende sicherstellen, dass die Reise nicht nur machbar, sondern auch erlebnisreich ist. Ein Routineprozess, den wir alle kennen. Wir waren motiviert, wir waren bereit.
Doch kaum war der Kaffee getrunken, meldete sich die App: Flug gestrichen. Das Wetter. Ein Wort, das an diesem Tag noch oft fallen sollte.
Ein Hauch von «Terminal»
Die Ersatzroute via München klang vernünftig. Doch schon am Gate zeigte sich, dass dieser Tag andere Pläne für uns bereit hatte: Maschine verspätet, Anschluss futsch, Stimmung angespannt. Während Verena und Peter am Transfer Desk neue Optionen suchten, sammelte ich am Gate Schritte – genügend, um meine Garmin-Uhr in Euphorie zu versetzen.
Neuer Versuch: Flug nach Paris. Von dort mit dem TGV nach Bordeaux. Ein gut klingender Plan, der aber an der Realität scheiterte: Ausgebuchte Züge, nicht existente Anschlussflüge, und ein Flughafen, der sich zunehmend wie die Kulisse des Hollywood-Films «Terminal» anfühlte. Nur ohne Tom Hanks. Dafür mit uns.
Am Abend, nach 12 Stunden Warterei, hob der Flieger doch noch ab, und wir landeten um 22 Uhr in Paris. Das Gepäckband lief an, die Koffer schoben sich heran – nur unsere nicht. Am Lost & Found-Schalter zuckte man mit den Schultern. Die Koffer hatten sich in Luft aufgelöst. Wir nahmen uns ein Hotel, duschten – und schliefen
in denselben Kleidern, welche wir schon seit dem Morgen trugen.
Paris ohne Koffer
Am nächsten Morgen schilderten wir am Schalter erneut unser Problem, und nach langer Warterei die erlösende Nachricht: Die Koffer seien gefunden worden und auf dem Weg nach Bordeaux. Abends ab 20 Uhr könnten wir sie dort abholen.
Wir stiegen in einen Mietwagen und fuhren los: 600 Kilometer, eine kleine Geschwindigkeitsübertretung und viel französische Autobahn später erreichten wir Bordeaux und konnten unsere Koffer in Empfang nehmen. Grosse Wiedersehensfreude. Twerenbold Bus-Chauffeur Igor, der uns auf die Reko-Tour begleitete, erwartete uns. Kurz vor Mitternacht, nach über 36 Stunden Anreise, fielen wir todmüde ins Hotelbett.
Rekognoszieren mit Humor
Da wir einen Tag verloren hatten, mussten wir uns nun aufteilen. Peter sollte die zweite Etappe abfahren, während Verena und ich die erste Etappe rekognoszierten – bei Wetter, das immer noch kühl und stürmisch war und nicht zum Velofahren einlud.
Igor brachte uns nach Audenge. Auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz für den grossen Bus landeten wir in einer Sackgasse. Beim Rückwärtsmanöver öffnete der Himmel sämtliche Schleusen! Ich draussen am Lotsen, mein Regenschutz drin im Bus. Als der Bus endlich wieder auf der Strasse stand, war ich klatschnass und meine Motivation lag zwischen «geht so» und «warum mache ich das eigentlich?».
Wir setzten uns auf die Fahrräder und fuhren nach Mimizan Plage. Zur Mittagszeit fanden wir ein kleines Hafenlokal, das uns kulinarisch versöhnte. Kaum sassen wir, öffneten sich die Himmelsschleusen erneut – diesmal mit uns im Trockenen. Für einmal stimmte unser Timing.
Veloschuhe des Schicksals
Am Nachmittag ging es weiter zur Dune du Pilat, der grössten Düne Europas. Verena erklomm sie wie eine Bergziege, ich hingegen wie ein in die Jahre gekommenes Nutzvieh. Die Aussicht entschädigte uns beide.
Kurz darauf stoppte uns ein platter Reifen. Wir lösten das Problem, doch der falsche Ersatzschlauch rächte sich. Verena fuhr alleine weiter, ich musste Igor zu Hilfe rufen und zwei Kilometer in Veloschuhen zur nächsten Strasse marschieren – eine Erfahrung, die man nur einmal machen will.
Am nächsten Tag, nach vielen Velokilometern, die Wiedervereinigung mit Peter in Biarritz, der froh war, frische Kleider zu bekommen, denn die lagen die ganze Zeit über im Bus. Frisch geduscht suchten wir ein Restaurant, das wir unseren Gästen empfehlen könnten. Die Küche überzeugte, das Ambiente war solide, und wir gingen zufrieden zu Bett. Neuer Tag, neues Glück, wir pedalten durch die Pyrenäen Richtung Mittelmeer. Ein ausserplanmässiger Abstecher zum Col du Tourmalet wurde zum Highlight: Steiler Aufstieg, rasante Abfahrt – wir wähnten uns an der Tour de France.
In Montpellier erreichten wir schliesslich das Meer – dieser Moment war jede Mühe wert. Die Reko-Tour war offiziell abgeschlossen und trotz aller Unbill waren wir überzeugt, eine tolle Reise beieinander zu haben. Am nächsten Morgen brachte uns Igor nach Marseille zum Flughafen. Abflug um 10 Uhr via Frankfurt, Ankunft in Zürich gegen 14 Uhr. Genügend Zeit, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.
Dachten wir.
Der Flug wurde verschoben, der Anschluss in Frankfurt unerreichbar, wir verbrachten viel Zeit an Flughäfen und nahmen es sportlich: Nach dieser Reko-Tour konnte uns nichts mehr schocken. Kurz vor Mitternacht landeten wir endlich in Zürich.
Fazit: Teamgeist top
Diese Reko-Tour bot alles: Chaos, Humor, Improvisation, Teamgeist, Wetterkapriolen, Veloschuh-Märsche, Dünenbesteigungen, Pyrenäen-Pässe und kulinarische Glücksmomente. Am Ende bleibt das, was zählt: Eine Route, die später vielen Gästen Freude bereiten wird.
Die Relevanz des Rekognoszierens
Jede Veloreise bei Twerenbold wird nach der ersten Recherche sorgfältig rekognosziert. Denn um unseren Gästen höchstmögliche Qualität zu bieten, überlassen wir bei der Vorbereitung nichts dem Zufall – auch wenn die Umstände, wie in dieser Geschichte beschrieben, manchmal sehr herausfordernd sein können. Rund sechs Monate vor der ersten Durchführung fährt der verantwortliche Product Manager gemeinsam mit den Veloguides sämtliche Etappen ab. Mit dabei ist jeweils auch ein Buschauffeur, der parallel die geeignete Route für den Reisebus mit Anhänger rekognosziert. So stellen wir sicher, dass der Bus stets in der Nähe unserer Gäste bleiben kann, während diese auf den schönsten Radwegen unterwegs sind. Gemeinsam werden zudem mögliche Kaffeestopps gesucht, geeignete Restaurants für das Mittagessen getestet und die Abläufe mit den Hotels abgestimmt. So ist bereits bei der ersten Durchführung alles vorbereitet für eine unvergesslich schöne und abwechslungsreiche Veloreise.