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Franco Marvulli in Istrien

Franco Marvulli, unser Veloreisen-Botschafter, berichtet von seiner Veloreise nach Istrien. Vom 29.08. bis 05.09.2021 war er auf der kroatischen Halbinsel unterwegs. Seine Erlebnisse und Gedanken teilt er mit uns in seinem Reisetagebuch.

01. September 2021

 29. & 30.08.2021 – Tag 1 & 2: Busfahren ist schön, wenn man auch drinsitzt

Nachdem ich am Sonntag den Bergkönig fertig moderiert hatte, fuhr ich via Aigle und über den grosser St. Bernhard Richtung UMAG in Kroatien. Bis Mailand, war es noch hell, danach brach die Nacht ein. Die über 850km zogen sich in die Länge, die Strasse wollte und wollte nicht enden. Meine Frau, Belinda rief mich zwar 1x die Stunde an, damit ich ihr versichern konnte, dass alles nach Plan läuft. Doch ganz ehrlich...ich bereute es, nicht mit allen anderen im Bus mitgefahren zu sein. Dort hätte ich gelesen, geschlafen oder ich hätte mich einfach mit den anderen Gästen unterhalten.

 

Ja ich fuhr allein, meine Mama musste im letzten Moment absagen, da es meiner Grossmutter (sie wird in diesem Jahr 97) gesundheitlich nicht gut geht. Liebe Mama, unseren Velourlaub holen wir nach! Kurz nach Mitternacht erreichte ich Umag. Gesehen habe ich leider nichts, es war ja dunkel. Ich checkte ins Hotel ein und ging augenblicklich schlafen.

 

Am Morgen lernte ich die ganze Gruppe kennen, sie sahen alle sehr erholt aus von ihrer Anreise, ausser mir eben. Ich hielt eine kurze Ansprache in der ich mich vorstellte und ihnen die wichtigste Information auf den Weg gab. «Ihr könnt mich alles fragen, nur etwas weiss ich mit Bestimmtheit nicht: Fragt mich bitte nichts über Istrien.» Die Reise heisst nämlich «Istrien entdecken» und genau deshalb bin ich hier.

 

Die erste Etappe führte uns von Gracisce nach Bale, 45km auf Asphalt und Naturstrassen. Zum Einrollen genau perfekt!

Fazit nach dem ersten Tag:

  • Alle sind ausnahmslos in super Stimmung.
  • Beim nächsten Mal reise ich wieder mit dem bequemen Twerenbold Bus.
  • Kroatien/Istrien ist zu dieser Jahreszeit angenehm warm und die leichte Brise vom Meer macht das Fahren sehr angenehm.
  • Ich kann kein Wort Kroatisch.
  • Eine Teilnehmerin fährt das gleiche Gravelbike wie ich und war mit mir letzte Jahr auf der Veloreise nach Sardinien.
  • Ich freue mich auf morgen, dann geht’s entlang der Küste, das Meer hat mir in den letzten Monaten gefehlt.

31.08.2021 - Tag 3: Das Meer, Helga das Huhn und der Umweg um den Kreisel 

Statt mit dem Bus nach Koper (Slowenien) zu fahren, entschied ich mich dafür die Gegend am Morgen selber auszukundschaften. Mit Franz unserem Guide und Michi unserem Chauffeur, verabredete ich mich um 9 Uhr 30 beim Etappenstart beim Busbahnhof in Koper. Mit dem Rad waren es 46km, mehrheitlich auf sehr gut ausgebauten Velowegen vorbei an idyllischen Landschaften und Dörfern.

Wir sind am Meer! Man kann es spüren, es duftet nach Salzwasser, Pinienbäumen und Sonne  - einfach herrlich. Der Küstenradweg von Koper bis Isola ist der bestausgebauteste, den ich je gesehen habe.

Beim Mittagessen bekam ich überraschend Besuch.Helga wollte nicht mehr von meiner Seite weichen. Helga ist ein Huhn, das nicht etwa hungrig war, eher neugierig. Neben Eierlegen, strebt sie eine Karriere als Model an, so wie sie mit der Kamera flirtet.

Bei der Rückfahrt, diesmal über eine wunderschöne Naturstrasse, fuhren wir an Salinen und kleinen Häfen vorbei, die einen geradezu einluden eine Fotopause einzulegen.

Kurz vor Umag oder wie es auch auf Italienisch steht „Umago“ fuhren wir in einen Kreisel, als kleiner Witz rief ich von hinten auf schweizerdeutsch „do muesch eimal „uma-go“ (auf Deutsch: hier musst du einmal rum...Wortspiel). Der Fahrer vor mir verstand den Witz nicht er dachte er soll einmal um den Kreisel fahren. So kam es, dass alle die hinter uns fuhren, den Kreisel 2 mal umkreisten, sehr zur Belustigung aller Autofahrer. Ich werde mich von nun an beim Fahren hüten, irgendwelche Witze zu erzählen.

Apropos Kroatien, unsere 2 lokalen Guides Goran und Alen, versuchen ihr Möglichstes, uns ein paar Brocken Kroatisch beizubringen. Ich stehe immer noch auf Feld 1. Ich verständige mich mit italoenglischem Deutsch mit zusätzlichem Gebrauch von Händen und Füssen. Doch wieso genau? Die 2 Jungs verstehen perfekt Deutsch.

Unsere Reise wird immer besser. Morgen freue ich mich auf ein paar Höhenmetern im Inland Istriens.

01.09.2021 - Tag 4: Das Herz Istriens, fast zu spät und singen im Bus

Der 4. Tag fing schon perfekt an.

Mit dem Rad fuhr ich zum Start der 3. Etappe nach Sveti Lovrec.Entlang der Küste fiel ich in einen entspannten Urlaubsrhytmus und genoss den Ausblick auf das Meer. Als ich auf die Uhr schaute, merkte ich plötzlich, dass die anderen ja schon bald losfahren würden. Ich drückte aufs Gas oder besser in die Pedale und kam ganz schön ins Schwitzen. Geschafft, 5 min vor Abfahrt, stand ich bei Michi und seinem Bus. Los geht’s, dachte ich mir, ab jetzt kann ich es etwas entspannter angehen.

Nach 4 km, hielt einer unserer Gäste am Strassenrand an, er hustete und bekam fast keine Luft (er fuhr ohne E-Bike). Ich sagte allen, dass sie weiterfahren sollen. Danach rief ich Michi an und bat ihn beim Bus zu warten, unser Gast wollte sich erholen und an diesem Tag nicht mehr aufs Rad. Ich fand diese Entscheidung sehr vernünftig. Als ich mit ihm beim Bus ankam, kümmerte sich Michi um ihn (er ist nicht nur Chauffeure, sondern auch der Mann für die Logistik. PS: unserem Gast geht es wieder bestens!

Danach musste ich wieder zu den anderen aufschliessen...also hiess es wieder Vollgas. Durch Steinbrüche, und Wälder, an Ruinen vorbei über Brücken und hinauf auf den höchsten Punkt. Diese Etappe hat es wirklich in sich und bot wunderbare Landschaft auf wie fast immer verkehrsarmen Strassen.

Das Mittagessen kam genau zur richtigen Zeit. Goran kennt unseren Geschmack: die Hausfrauenküche mit selbstgemachten Spezialitäten, war köstlich. Weiter zog es uns nach Porec. Die Stimmung in den Gruppen konnte ausgelassener nicht sein. Kein Wunder bei 25 Grad mit leichter Brise vom Meer. Die letzten 10 km führten entlang der blauen und der grünen Lagune – einfach traumhaft. Diese Etappe hatte alles was das Radfahrerherz höher schlagen lässt. Dieser Meinung war nicht nur ich!

Mit dem Bus gings dann zurück ins Hotel.Ich schaltete ein paar Lieder auf meinem Handy ein und liess sie über die Anlage im Bus laufen. Resultat: der ganze Bus sang mit! Hits wie Alpenrose und sogar mein Song Tattoo (falls ihr in nicht kennt, er ist auf Youtube) wurden im Chor gesungen. An Tagen wie diesen, gibt es nichts mehr hinzuzufügen.Morgen haben wir einen Ruhetag und oder eine freiwillig geführte Städtetour auf dem Programm. Mal schauen, wo es mich hinzieht.

PS: obwohl das Meer nur 50 Meter von meinem Hotelzimmer weg ist, war ich noch nicht im Wasser. Morgen, morgen gehe ich schwimmen!

02.09.2021 - Tag 5: Der Ruhetag der keiner wurde

 

Ich finde Ruhetage toll. Jeder/e kann tun und lassen was er/sie will. Diese Reise soll ja auch entspannend sein und nicht ein Sammeln von Kilometern. Wer Lust hatte, konnte freiwillig eine geführte Stadtbesichtigung in Piran machen. Der Rest, also etwa die Hälfte, sonnte sich am Strand oder machte eine Runde auf dem Rad. Jedem das seine.

 

Ich frühstückte mit den Gästen und entschloss mich dafür die Stadtrundfahrt mit dem Bus sausen zu lassen, stattdessen wollte ich das Hinterland Istriens auskundschaften. Mit dem Fahrrad fuhr ich am frühen Nachmittag los und war schon bald an der Kroatisch-Slovenischen Grenze unterwegs nach Buzet. Die Pinienwälder auf etwa 400 M.ü.M waren menschen- und autoleer. Mein Ziel war der Stausee Jezero Butoniga. Falls sich jemand fragt, wieso  - keine Ahnung, der See gefiel mir auf der Karte und weckte mein Interesse. Rekoreise sozusagen.

 

Mein Bauchgefühl täuscht mich selten. Es war herrlich, vielleicht sogar zu schön, denn ich vergass komplett die Zeit. Plötzlich ging es steil bergauf, dann wieder runter, rauf und schon war ich auf Schotterstrassen unterwegs. Umdrehen gibt es bei mir nicht, ich fuhr einfach weiter. Bis ich an eine Abzweigung gelangte, bei der die Strasse so schlecht war, dass es kein durchkommen mehr gab.

Planänderung, ich fahre die Hauptstrasse nach Pazin, 20km mehr, dafür Asphalt. In Pazin angekommen, merkte ich, dass es nicht mehr so lange hell sein wird und ich viel zu weit vom Hotel weg bin. Ich habe die Distanz unterschätzt dafür mich überschätzt, beim nächsten Mal drehe ich diese 2 Faktoren. Lange Rede kurzer Sinn: Sandwich am Strassenrand, Busticket auf Kroatisch via Telefon organisieren, knapp 2h warten, umsteigen in Novigrad. Ankunft im Hotel 22.00 Uhr. Was für ein Tag, alles andere als Ruhe, dafür viel Abenteuer. Falls ich wieder mal in Istrien sein sollte, werde ich die Option geführte Stadtrundfahrt nehmen.

 

Fazit:

  • Mein Busticket war günstiger als das für mein Rad
  • Das Hinterland von Istrien ist fast unberührt, dafür mit vielen steilen Rampen gespickt.
  • Der Bus fährt nur 1x am Tag, zu meinem Glück am Abend
  • Ich sollte weniger Fotos machen und mehr Radfahren.
  • Ich freue mich auf die geführte Tour von morgen, der Küstenklassiker unter der Leitung unserer Guides, Franz, Goran und Alen.

 

PS: Ich war schon wieder nicht im Meer, alle anderen schon...

03.09.2021 - Tag 6: Küstenklassiker - der Name ist Programm

 

Vom Hotel fuhren wir der Küste entlang Richtung Norden zum Leuchtturm, zusätzlich war dieser Ort auch gleich der nördlichste Punkt Istriens. Die Stimmung war so entspannt, dass ich spontan ein Fotoshooting mit unseren Gästen und dem Leuchtturm machte. Irgendwie hätte ich an diesem Ort noch lange verweilen können, doch die Küste war noch lange. Als wir dann ins Inland abbogen, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Die Küste ist voller Touristen, der Kern Istriens im Gegensatz dazu ziemlich menschenleer. Lange fuhren wir über blühende Felder und schattenspendende Wälder.

 

 

 

Irgendwann erreichten wir Novigrad. Zeit für eine Mittagspause in einem kroatischen Restaurant am Meer. Der Risotto alla Seppia (der Tinte des Tintenfisches) passte perfekt, alternativ gab es für alle Vegetarier Risotto mit frischem Gemüse vom lokalen Markt. Doch egal was man bestellt hatte, die Portionen wurden in Schüsseln serviert und man konnte sich einfach bedienen. Perfekt, so kam ich immer in den Genuss von allem zu probieren.

Zum Abschluss ging es wieder hoch nach Umag. Die Strecke führte vorbei an einsamen Buchten, überfüllten Campingplätzen und Naturstrassen. Bei letzterem waren trotz Akku auch fahrtechnische Künste nötig. Ok, die vielen Touristen standen uns ab und zu im Wege, dafür war der Anblick auf die blaue und grüne Lagune einzigartig. Schwer zu sagen was mir lieber ist, die Küste oder das Inland. Wahrscheinlich tagesabhängig.

 

Highlight des Tages:

Die Hitze machte mir etwas zu schaffen, als vor mir eine splitterfasernackte Frau über den Weg lief. Im ersten Moment dachte ich an eine Fata-Morgana, die auf die Sonne zurückzuführen war. Irgendwie lustig. Ich goss mir etwas Wasser über den Kopf, schaute nach hinten und sah sie trotzdem immer noch. Das Schild FKK nahm mir die Sorge eines Sonnenstichs.

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