Klassenreise ins Bergell
30. Juli 2026Reisebericht Bergell
Ehemals Klasse d2, Kantonsschule Aarau, Matura 1970
Dienstag, 23. Juni
Die Vorfreude ist gross. Am Dienstag, 23. Juni 2026, treffen die 12 Teilnehmer/innen der ehemaligen Klasse d2 bestgelaunt und bei prächtigem Wetter im Twerenbold Terminal in Baden-Rütihof ein. Mit von der Partie sind die Organisatorin Helen, dann Ruedi, Christa und Gäbi, Peter, Niklaus, Urs, Jürg, Käthi, Carlos, Yvonne (leider an Krücken) und Bea.
Vertrauensvoll setzen wir uns in den vom Fahrer Willi Braun gelenkten Mercedes-Minibus. Gepäcke werden verstaut und schon geht die Fahrt los. Sie führt uns in einer ersten Etappe in die Bündner Bischofsstadt Chur. Kurzer Aufenthalt hier mit Mittagslunch in der am Fluss Plessur liegenden Altstadt. Obwohl wir uns untereinander nicht allzu häufig sehen (mit einigen Ausnahmen) stellen sich sofort wieder vertraute Gespräche und Gelächter ein.
Von Chur aus gelangen wir über Tiefencastel auf den kargen, lang gezogenen Julierpass, fahren an der Seite des dunkelgrün schimmernden Lago di Marmosa hinunter ins Oberengadin. Das mondäne St. Moritz lassen wir linkerhand liegen. Willi führt uns dem wunderschönen Silvaplana-See entlang Richtung Maloja-Pass. Ziel der bevorstehenden Wanderung wäre der Lägh da Bitabergh.
Eigentlich würde von einer anderen Ortsstelle ein einfacher Weg dort hinaufführen, aber unser Startplatz liegt an der schwierigeren Route. Fünf verzichten auf die als leicht bezeichnete Wanderung, die sich als rot-weiss markierter Bergweg entpuppt. Buchstäblich über Stock und Stein (der wuchtigeren Art) geht es vorerst zielstrebig auf dem «Percorso dei Contrabbandieri» bergwärts. Die selbsternannten «5 Helden» - Carlos, Niklaus, Ruedi, Peter und Urs (keine Schmuggler!) – sind berggewandt und marschieren zügig voran. Sie lassen Helen und mich auf halber Strecke zurück – who cares! Wir zwei Frauen treten bald wieder den Rückweg an (Helen, wir müssen diese Wanderung an den Bitabergh-See noch einmal nachholen!).
Nach diesem Unterbruch werden wird dann per Bus ins Hotel Maloja Kulm (Höhe 1850 Meter über Meer) chauffiert. Der Blick auf den majestätischen Corvatsch gibt Friedrich Nietzsche einmal mehr recht, der stets seine Begeisterung für diese fast mystisch anmutende Gebirgslandschaft in mehreren seiner Werke ausdrückte: «Das Licht ist einzigartig, es macht alles etwas heller».
Später lassen wir bei einem gemütlichen Abendessen den ersten erfolgreichen Tag ausklingen.
Mittwoch, 24. Juni
Der Mittwoch beginnt gemächlich mit einem ausgiebigen Frühstück. Nachdem dann alle ihr Gepäck im Minibus versorgt haben, führt uns Willi über die zirka 45 Kehren des hinteren Teils des Passes hinunter ins Valle di Bregaglia, das sich auf 22 Kilometern Länge bis ins italienische Chiavenna hinunterschlängelt. Unser Bus hält jedoch in Bondo an, in jenem Dorf, das mit dem Bergsturz (Teile davon) des Piz Badile und Piz Cengalo 2017 Bekanntheitsgrad erhielt. Nicht nur zerstörte die Moräne einen Teil der Gemeinde, sondern begrub auch eine Gruppe von Wanderern unter sich. Der agile Vizepräsident des Dorfes, U. Weber, führt uns durch «sein Dorf», berichtet über Historisches und Aktuelles, insbesondere auch über die in der Zwischenzeit errichteten baulichen Schutzmassnahmen gegen weitere Unwetter.
Nach diesem hochinteressanten Besuch fahren wir weiter das Tal hinunter nach Castasegna – eines der typischen Bergeller Dörfer mit Kirche und kleinen schmucken Steinhäusern. Wieder erwartet uns eine Führung. Frau Giacometti (nicht verwandt mit der berühmten Künstlerfamilie) erklärt uns unter anderem die Ernte und Verarbeitung der Edelkastanie zu alltäglichen Produkten wie Brot und Gebäck. Die uralten Bäume, die bestenfalls ein Alter von fast 300 Jahren und eine Höhe von bis zu 30 Metern erreichen können, sind beeindruckend. Es ist eine «Welt für sich» - Ruhe und Gelassenheit sind geradezu spürbar.
Eigentlich möchte man hier länger verweilen, aber der Zeitplan drängt. Wir verlassen das doch recht stille Tal. Entlang des Lago di Como mit seinen prächtigen Villen (welche davon gehört wohl George Clooney?) erreichen wir bald das quirlige italienische Menaggio. Einmal mehr beziehen wir die Zimmer in der herrlich gelegenen Villa Royal.
Ein letztes gemeinsames Abendessen auf der Terrasse mit herrlicher Aussicht drückt unsere tolle Stimmung aus – fast ein wenig einmalig: notabene 55 Jahre nach dem Abschluss der Matura!
Donnerstag, 25. Juni
Am Donnerstag, 25. Juni, heisst es wieder Heimkehren. Zuerst geht es aber noch nach Lugano auf den Monte Bré. Die historische Standseilbahn bringt uns auf 933m. Ein kurzer Spaziergang führt zur prächtigen Aussichtsterrasse. Bei einem Apérol und Salatteller werden nochmal Erinnerungen ausgetauscht.
Jetzt nehmen schon die ersten Abschied: Christa und Gäbi bleiben im Tessin. Beim Bahnhof Bellinzona werden Bea und Nüss ausgeladen, die mit der SBB heimreisen.
Um den Stau am Gotthard zu umgehen fahren wir über den Pass. Auf dem Hospiz stellen wir fest, dass es wohl Jahrzehnte her ist, seit man hier war. Der letzte Halt wird beim Bahnhof Mellingen gemacht und weitere Reisende verlassen den Bus. Nur Yvonne, Lupo und ich bleiben bis Rütihof. Dort erwarten uns die beiden Reisefachfrauen von Twerenbold, Marina Dietrich und Katharina Michels, die herzhaft lachen, dass unser Chauffeur Willi von den 12 Reisenden nur noch 3 zurückgebracht hat!
Es waren drei herrliche, unvergessliche Tage, fast wie in alten Zeiten……
Was für gemeinsame Treffen, Ausflüge, Reisen uns die Zukunft bringen wird?
Autorinnen
Bea Hofer-Gut
Schlussteil und Fotos Helene Brönnimann (Huber)