Reisebericht Venetien für Geniesser
12. bis 16. Oktober 2025
Durch Rebberge und hügelige, goldfarbene Landschaften fahren – Degustieren von typischen Spezialitäten der Region – wer möchte da nicht mit auf die Reise? Obwohl ich selbst im Zürcher Weinland wohne und Jahr für Jahr beim «Wümmet» im Herbst teilnehme, besuche ich gerne auch andere Weinregionen. Die Busfahrt in der Köngisklasse macht diesen Ausflug nach Nord-Ost-Italien zur komfortablen Genuss-Reise.
24. August 20261. Tag | Sonntag, 12. Oktober: Schweiz – San Pietro di Feletto
Etliche Twerenboldbusse fahren am Sonntagmorgen pünktlich um 8 Uhr von Rütihof ab. Aufgrund der Verkehrslage entscheidet sich unser Chauffeur Thomas, den Weg über den Gotthardpass zu nehmen. Schon bald wird der Pass mit Schnee bedeckt sein und so erleben wir bewusst die äusserst sonnige Überfahrt. Bei der ersten Raststätte im Tessin steht schon der eine oder andere Twerenboldbus. Also aufgepasst, dass man bei der Rückkehr vom Restaurant in den richtigen Bus einsteigt!
Die Reise geht weiter über Mailand und Padua nach Venetien, zu unserem Hotel in San Pietro di Feletto, das wir um 17.30 Uhr erreichen. Die Villa Ca’del Poggio thront wunderbar gelegen inmitten der Weinberge, mit Blick auf die hügelige Landschaft der Formeniga, die ebenfalls von unzähligen Rebstöcken geprägt ist. Fleisch oder Fisch zum Nachtessen; auf der herumgereichten Liste konnte man sich entsprechend eintragen. Um 19 Uhr treffen wir uns zum obligaten «Welcome-Drink» - eine perfekte Gelegenheit, die Mitreisenden endlich kennenzulernen. Anschliessend werden wir in einem kleinen Saal zu Tisch gebeten. Das 5-Gang-Menu beginnt fantastisch und wir erwarten jeden weiteren Gang mit Spannung. Unsere Gourmetreise hat somit definitiv begonnen.
2. Tag | Montag, 13. Oktober: Treviso
Das reichhaltige Frühstücksbuffet erfreut mich ungemein – Kornbrot, Müsli und Joghurt, nicht wie in südlichen Ländern üblich, mit süssem Gebäck und Weissbrot. Das Buffet ist abwechslungsreich und der Platz auf der sonnigen Terrasse rundet das grosszügige «Zmorge-Paket» vollständig ab.
Um 9 Uhr stösst unsere Reiseleiterin bereits beim Hotel zu uns in den Bus. Tiziana ist temperamentvoll und hegt viel Sympathie für die Schweiz, da ihre Eltern für einige Jahre dort gewohnt hatten. Unser heutiges Ziel ist Treviso. Während der Fahrt dorthin erfahren wir, dass die Region Venetien die grösste Weinproduktion von Italien hat. Rund 75'000 Hektar Rebfläche umfasst das Gebiet. Aufgrund des Klimawandels werden neben Weinbau auch wieder vermehrt Olivenbäume angepflanzt. Unser heutiges Ziel, die Stadt Treviso, liegt nur gerade 25 km nördlich von Venedig und hat einen ganz besonderen Charme. Wie in Venedig gibt es auch hier viel Wasser und Brücken, malerische Stadthäuser und Villen, Palazzi und Kirchen. Unser Rundgang durch die gepflegte Altstadt findet bei idealen Temperaturen und unter einem satt blauen wolkenlosen Himmel statt.
Mit einer weiteren Reisekollegin schlendere ich durch die Gassen, denn wir suchen etwas ganz Bestimmtes: Cicchetti, die italienische Variante der spanischen Tapas. In einer kleinen Bar werden wir fündig und decken uns mit verschiedenen Brötchen ein, die ansprechend in der Vitrine drapiert sind – dazu serviert man uns ein Glas Vino Bianco oder ein Prosecco DOCG, wie es uns Tiziana eingetrichtert hat. Das Dessert erhalten wir etwas später bei der Tiramisu-Degustation in der Pasticceria an der Piazetta della Torre. Die luftigen Törtchen, mit etwas Rum versehen, zergehen fast auf der Zunge und das dazu servierte Glas Prosecco passt bei diesem Spätsommertag perfekt. Treviso beansprucht den Titel, die Stadt zu sein, wo das Tiramisu erfunden wurde. Die Fahrt zurück zum Hotel unterbrechen wir kurz, um die Chiesa di San Pietro di Feletto zu besuchen, nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Noch vor 17 Uhr sind wir im Hotel und haben genügend Zeit, uns auszuruhen, Fotos zu sortieren, zu lesen, zu duschen – kurz: die Freizeit zu geniessen. Dann heisst es, sich in Schale zu stürzen, schliesslich dürfen wir heute Abend wieder fein dinieren. Das mehrgängige Menu ist für alle dasselbe mit einem Gemüse-/Salatbuffet als Vorspeise. Es folgen Gnocchi mit Entenragout, Rindsbraten an Prosecco-Sauce und Kartoffeln. Abgerundet wird das sehr delikate Essen mit einem Stück Früchtetorte.
3. Tag | Dienstag, 14. Oktober: Udine und San Daniele del Friulli
Nach einer rund zweistündigen Fahrt erreichen wir Udine. Bei diesem schönen Wetter bleibt uns etwas Zeit, entspannt durch die charmanten Gassen zu schlendern und in einer Bar gemütlich einen Espresso zu geniessen – das ist doch «dolce vita»! Bei der Rückkehr zum Bus um 12.30 Uhr begrüsst uns Giovanna, die uns spontan als Reiseleiterin durch Udine begleitet. Sie erzählt mit viel Hingabe über Geschichte und Kunst und vermittelt uns spannende Einblicke in die Stadt. Als Gourmetgruppe sind wir natürlich besonders neugierig auf die kulinarischen Spezialitäten und die Besonderheiten der Region. Unser Ziel ist San Daniele del Friuli, wo uns im Lagerraum des «Il Camarin» die Produktion des berühmten San-Daniele-Schinkens nähergebracht wird. Die Schweizerin, die seit über 40 Jahren hier lebt, gibt uns interessante Einblicke, bevor wir schon bald im angrenzenden Speiseraum Platz nehmen. Hungrig – zumindest ich – nehmen wir den Teller Pasta entgegen. Die Sauce Bolognese nach Nonna-Art ist einfach fantastisch. Etwas überrascht nehmen wir danach den nächsten Gang entgegen: Antipasti. Kommt das normalerweise nicht zuerst? Wie dem auch sei, das eingelegte Gemüse schmeckt vorzüglich und der dazu gereichte Rohschinken ist perfekt und hauchzart geschnitten.
Wein und Wasser gibt es reichlich, und auch für etwas Süsses ist gesorgt. Das Hefegebäck wird mit Grappa getränkt, was für einige heitere Momente sorgt. Schnell wird klar: Das trockene Gebäck braucht einfach etwas Feuchtigkeit – und die Kombination passt erstaunlich gut! Nachdem wir uns im Laden noch mit Rohschinken eingedeckt haben, fahren wir weiter nach Pordenone. Dort entdecken wir ein Bauwerk des Schweizer Architekten Mario Botta: die Chiesa del Beato Odorico. Ein typischer Botta-Bau – modern und mit eigenwilliger Architektur. Durch ihre besondere Form ist sie auf den ersten Blick kaum als Kirche zu erkennen und wird im Internet deshalb auch als «Andachtsstätte» bezeichnet. Nach einem erlebnisreichen Tag machen wir es uns im Bus gemütlich. Nach knapp einer Stunde erreichen wir unser Hotel, wo uns zum Nachtessen wieder die zuvor ausgewählten Fisch- oder Fleischmenüs erwarten.
4. Tag | Mittwoch, 15. Oktober: Bassano del Grappa und Villa Sandi
Unseren letzten Tag in Venetien widmen wir ganz der Kulinarik. Während der Fahrt über die geschichtsträchtige Prosecco-Strasse berichtet Tiziana, unsere versierte Reiseleiterin vom ersten Tag, über die Region und den Rebbau. Die Landschaft ist atemberaubend schön: sanfte Hügel, umhüllt von unzähligen Rebstöcken, aber auch in der Ebene reichen die Rebflächen, soweit das Auge reicht. So viel Arbeit, vor allem Handarbeit, steckt dahinter – aber auch viel Herzblut und Stolz. Wir erfahren Wissenswertes über den Anbau, die verschiedenen Rebsorten und die Weinproduktion. Im Ort Bassano del Grappa, wen wundert’s, darf natürlich eine Grappa-Degustation nicht fehlen. Nach einem kurzen Rundgang durch die bezaubernde Altstadt sind wir uns einig: Hier könnten wir gerne noch etwas länger verweilen. Die gepflegten Plätze und bunten Stadthäuser, der Ponte degli Alpini mit seiner bilderbuchhaften Aussicht – all das ist einfach sensationell. Um 11.30 Uhr werden wir in der Destillerie Poli erwartet, die unweit der Brücke ihr Domizil hat. Nach einem kurzen, aber äusserst informativen Film geht es zur Degustation. Vom gut gelagerten Grappa bis hin zum süsslichen Likör probieren wir uns gerne durch die angebotenen «Wässerchen». Im angrenzenden Shop deckt sich der eine oder andere noch mit einem Mitbringsel ein – sei es für die Liebsten oder für sich selbst.
Nach einer kurzen Busfahrt auf einen Hügel erreichen wir Asolo, einen kleinen Ort mit einem pittoresken Dorfplatz, umrahmt von Restaurants und Bars. Hier verbringen wir unsere individuelle Mittagspause und geniessen bis um 15 Uhr etwas freie Zeit. Da die Geschäfte über Mittag geschlossen sind, bleibt uns genügend Gelegenheit, das charmante Städtchen in aller Ruhe zu geniessen und das italienische Lebensgefühl auf uns wirken zu lassen. Einkäufe von Schuhen, Pullovern oder Jacken müssen ebenso warten wie das eine oder andere kulinarische Mitbringsel. Und auch eine Gelateria lässt sich nicht auftreiben. So bleibt mir nur eines: Italien morgen zu verlassen, ohne auch nur ein einziges Gelato im Cornetto gegessen zu haben… das muss wohl beim nächsten Besuch nachgeholt werden!
Um 15.30 Uhr erreichen wir Crocetta del Montello und somit die Villa Sandi, Bottega del Vino. Die energische Chefin lotst uns zum «Kino», wo wir wieder mit einem hervorragend gestalteten Werbefilm den Einstieg ins Weingeschäft machen. Weiter geht es ebenfalls zügig durch niedrige Kellergänge, mit Eichenfässer gefüllte Lager; wir steigen Treppe rauf, Treppe runter und werden mit Informationen eingedeckt. Dann der grosse Moment der Degustation im stattlichen Saal der Villa - grosszügig schenkt uns die Signora vier verschiedene Weine- resp. Prosecco-Weine zur Verkostung ein. Ein fruchtiger Prosecco, der für Apéro geeignet ist, der etwas trockenere Asolo Superiore, dann den «Opere» brut und schliesslich den Rotwein Raboso, der diese Degustation milde abrundet. Auch hier geht man kaum mit leeren Händen aus dem Haus, viel zu verführerisch und elegant ist nicht nur der Wein, sondern auch die Tüten, in denen die edlen Säfte verpackt werden.
So endet unsere Venetien-Reise für Geniesser mit diesem Besuch und kurze Zeit später erreichen wir unser Hotel in San Pietro di Feletto. Packen ist angesagt, bevor um 19.30 Uhr das Nachtessen serviert wird. Das Angus-Carpaccio mit Gemüse, gefolgt von einer weissen Polenta
und Garganelle mit Oliven und Kapern, sowie das zarte Roastbeef schmecken vorzüglich. Das leichte Mandarinen-Sorbet ist der süsse Abschluss des köstlichen Abschiedsessens.
5. Tag | Donnerstag, 16. Oktober: San Pietro di Feletto
An unserem Abreisetag gibt es für uns bereits um 6.30 Uhr Frühstück auf der windgeschützten Terrasse – ein letztes Mal sitzen wir hier mit dieser atemberaubenden Aussicht und bestaunen die aufsteigende Sonne! In der Zwischenzeit werden die Koffer vom zuvorkommenden Personal zum Bus transportiert. Um 8 Uhr startet Thomas den Motor und wir rollen Richtung Nordwesten. Der Himmel ist etwas bewölkt, ideales Reisewetter. Mit regelmässigen Pausen unterbrechen wir die lange Fahrt Richtung Schweiz. In Lugano gibt es eine fast 2 ½-stündige Mittagsrast, die wir individuell gestalten können. Ich steige aus dem Bus und stolpere fast in einen Glacéstand; wenn das nicht ein Zeichen ist! So kann ich diese Italien-Reise doch noch mit einem Nocciola-Eis beenden und meinen Auftrag als Reisentesterin wieder als «erfolgreich abgeschlossen» abhaken...
Die Reise «Venetien für Geniesser» empfehle ich all jenen, die die Toskana mit ihrer hügeligen, fruchtbaren Landschaft mit Rebbergen, Olivenbäumen und Zypressen lieben. Im ländlichen Venetien und dem angrenzenden Friaul sind die Rebflächen noch etwas grösser und die kleinen Orte noch weniger touristisch. Da auf dem Programm die eine oder andere Stadtführung angesagt ist und man auch in Weinkeller hinunter steigt, ist es vorteilhaft, wenn man noch gut zu Fuss ist.