Reisebericht Veloreise Ostfriesland
23. August bis 1. September 2025
Unsere Reisentesterin war letzten Sommer wieder in unserem Auftrag unterwegs: Diesmal in Ostfriesland. In ihrem Bericht erzählt sie uns von ihren Eindrücken und Erlebnissen von unterwegs.
15. Mai 20261. Tag | Samstag, 23. August: Schweiz – Ligen (Ems)
Bereits um 5.30 Uhr warte ich ganz alleine in Wiesendangen/Winterthur, einem ganz alleine düsteren Einsteigeort. Pünktlich werde ich zum Glück vom Zubringer-Bus abgeholt und nach Rütihof gefahren. Den kurzen Aufenthalt in der Cafeteria mag ich sehr, denn immer wieder sehe ich bekannte Gesichter; Mitarbeitende oder Guides eilen eifrig umher. Beim Busterminal ist der richtige Bus schnell gefunden. Die Koffer werden von Chauffeur Dan Nitu zuverlässig verstaut und fast alle Plätze mit Reisevögeln, die an die Nordsee wollen, sind besetzt. Laufend erhalten wir nun von unseren drei Guides, Madlen, Hans und Edi, wichtige Infos. Jetzt beginnt die Zeit des Kennenlernens der Mitreisenden. Schon bald gibt es die ersten gemeinsamen Bekannten, denn mit der Erwähnung meines Wohnortes Stammheim, gibt es stets Bezugspunkte, sei es über familiäre oder geschäftliche Beziehungen, über Reben und Hopfen – oder ganz einfach, wegen des bezaubernden Dorfes... die Busreise ist kurzweilig und wird durch die Einkehr in die Raststätten, regelmässig unterbrochen.
Die Strassen sind vor allem um Köln herum stark frequentiert und wir erreichen Lingen etwas verspätet. Hier übernachten wir auf dem Hin- und auf dem Rückweg je einmal. Unser Ferienort liegt an der Nordsee in Neuharlingersiel. Zimmer beziehen und schon trifft man sich wieder im Foyer für den Empfangs-Apéro. Wir stossen an, versuchen uns all die neuen Namen zu merken und sind schnell in ein Gespräch verwickelt. Am Buffet gibt es hat für jeden Geschmack etwas und wir lassen es uns gut gehen. Obwohl wir den ganzen Tag untätig im Bus herumfläzten, sind wir froh, uns bald ins Zimmer zurückziehen zu können – ein langer Tag geht zu Ende und unser Ferienerlebnis kann beginnen
2. Tag | Sonntag, 24. August: Lingen (Ems) – Neuharlingersiel
Bereits am Vortag wurden wir von den Guides mit dem heutigen Programm versorgt; in einer WhatsApp-Gruppe erhalten wir laufend wichtige Infos. So sind dort auch Menubestellungen fotografisch erfasst und es gibt keine peinlichen Verwechslungen mehr. Der heutige Tag beginnt sonnig und mit einem fulminanten Frühstücksbuffet; die Auswahl ist riesig, aber unsere Zeit ist begrenzt. Um 8 Uhr fährt uns Dan, der Chauffeur, ins nördliche Haren, das wir nach rund 40 km erreichen. Dort werden die Fahrräder ausgeladen, die Mieträder angepasst und Probe gefahren. Punkt 9 Uhr sind wir alle in Gruppen aufgeteilt und startklar. Heute schliesse ich mich Hans an – da sein Markenzeichen eine Hupe am Rad ist, darf er gerne auch Hupi-Hans gerufen werden. Durch kleine Dörfer mit den charakteristischen Backsteinhäusern und historischen Kirchen geht es zum flachen, schwach frequentierten Emsradweg. Auf der Ems gibt es kaum ein Boot oder Schiff; umso mehr freut es uns, als endlich ein Baukahn namens Anton, mit Sand beladen, gemächlich an uns vorbei tuckert. Schon bald ziehen graue Wolken auf und wir bangen, ob wir die heutige Tour wohl trocken beenden können..
Nach rund 25 km gibt es die erste Kaffeepause direkt am Wasser und nach weiteren knapp 20 km erreichen wir Prangen. Dort ist für uns das Mittagessen reserviert – leckere und schön ausdekorierte Menus werden rasch serviert und bald geht die Tour weiter. Wir werden in Papenburg, bei der berühmten Meyer Werft zu einer Führung erwartet. Sie gehört zu den grössten und modernsten Werften der Welt, die hauptsächlich Kreuzfahrtschiffe baut. Am 9. August verliess das letzte, die Disney Destiny, das Baudock und wird jetzt noch vor der Werft bis Mitte September bis ins letzte Detail geprüft. Die eher technisch ausgerichtete Führung durch das Werk ist abwechslungsreich und mit spannendem Filmmaterial versehen. Der geduldige Werk-Guide kann jede Frage der meist männlichen Gäste rasch und gut verständlich beantworten. Bei der Besichtigung der Hallen bleibt uns fast die Spucke weg: diese Dimensionen! Die Halle 6 zum Beispiel ist 504 m lang, 125 m breit, 75 m hoch und hat einen Kran, der sage und schreibe 800 Tonnen heben kann.
Nach 1 ½ Std. ist der Rundgang beendet. Wir sind fasziniert und doch möchte kaum jemand unserer Gruppe seinen Urlaub auf diesen pompösen Ungetümen verbringen. Uns genügt es vollkommen, dass Dan mit dem Twerenboldbus pünktlich und sehr prominent vor dem Besucherzentrum auf uns wartet.
Kaum im Bus eingestiegen, fallen mir die Augen zu und erst das sanfte Anstupsen von Madlen bringt mich wieder zurück in die Realität. Das Abend- resp. Tagesprogramm für Montag wird besprochen. Nach wenigen Kilometern erreichen wir Neuharlingersiel, das für uns die nächsten 8 Tage beherbergen wird. Der Ort ist seit den 70-Jahren ein anerkanntes Nordseeheilbad und Fährhafen zur ostfriesischen Insel Spiekeroog. Das Mingers Hotel ist an zentraler wunderhübscher Lage im Hafenbecken. Die Zimmer so hell und nordisch eingerichtet, dass man sich sofort wohlfühlt. Leider haben wir kaum Zeit zu duschen, geschweige denn einen Spaziergang ans Wasser zu machen. Schade – aber ich bin zuversichtlich, dass wir diesen schmucken Ort schon noch geniessen können. Das Personal kommuniziert mit viel Humor und sehr effizient; alles ist bestens organisiert. Das vorbestellte Menu überrascht und ich würde sagen: wir bleiben gerne noch ein Weilchen...
3. Tag | Montag, 25. August: «Tour de Fries» nach Wilhelmshaven
Frühstück gibt es in diesem Hotel erst um 7.45 Uhr, was viele Gäste freut. So nutze ich die Zeit für einen Spaziergang rund ums Hafenbecken. Es ist gerade Ebbe. Unzählige Möwen begleiten mich und plötzlich kreuzt auch ein riesiger Hase meinen Weg und läuft tatsächlich ein paar Minuten mit. Ich habe mir sagen lassen, dass dies hier gar nichts Ungewöhnliches sei. Es ist ruhig, auch am Fährhafen, von dem die Schiffe nach Spiekeroog auslaufen. Das Meer, die Ruhe und die goldene Sonne am Himmel – ja sogar die kreischenden Möwen – sorgen für pures Ferienglück. Nach dem Frühstück geht’s direkt auf den Sattel und wir fahren auf gut ausgebauten Deichwegen Richtung Osten. Viele Schafe grasen friedlich und lassen sich oft auch auf den Fahrwegen nieder und nehmen kaum Notiz von den vorbeifahrenden Radlern.
Im östlichen Zipfel vom Wangerland, in Schillig, machen wir Pause in der grosszügigen Ferienanlage. Von dort fahren wir der Küste entlang in den «Süden» und dann ins Landesinnere nach Jever, bekannt durch das gleichnamige Bier. Dort platzieren wir unsere Fahrräder, um ganz unabhängig irgendwo etwas zum Mittagessen zu suchen – viele von uns landen schliesslich bei der nahen Bäckerei und geniessen ein leckeres Brötchen. Nach der Mittagspause geht es weiter, ausschliesslich auf Radwegen und natürlich ohne nennenswerte Steigungen. Kurz vor Wilhelmshaven verladen wir die Räder in den Anhänger und zeitnah lädt uns Dan am Hafen von Wilhelmshaven ab.
Die berühmte Kaiser-Wilhelm-Brücke behalten wir im Blick, bevor wir uns erst einmal um unsere kulinarischen Wünsche kümmern: Strammen Schrittes suchen wir im Gastrobereich oberhalb des Strandes nach der «Eis-Tafel». Freundlich und kompetent füllt die junge Dame Becher um Becher mit den gewünschten Sorten.
Der anschliessende Spaziergang am Sandstrand darf nicht fehlen. Die schmucken Strandkörbe an bester Lage verleihen dem Ort zusätzlich maritimes Flair. Um 17 Uhr geht die Busreise weiter, damit wir pünktlich um 19 Uhr zum Nachtessen bereit sind. Heute durfte ich in der «langen» Gruppe bei Madlen mitfahren, auf einer Strecke von rund 70 km. Sie hat uns während der abwechslungsreichen Tour immer wieder mit Informationen über Land und Leute versorgt und auch gerne ein paar private Tipps aus der Kräuterküche verraten.
4. Tag | Dienstag, 26. August: Unterwegs im Ammerland
Nach rund 1 ½ Std. Busfahrt treffen wir in Westerstede ein, steigen auf unsere Räder und fahren durch Wohnquartiere mit den typischen Klinkerhäusern, über Waldwege und Landstrassen nach Wiefelstede. Dort gibt es einen gemütlichen Pausenkaffee, bevor es weiter nach Delftshausen geht. Ein Bauernhof mit Gastwirtschaft hat für uns ein feines Mittagessen vorbereitet: lange Grillwürste, ein leckeres Salatbuffet inklusive Schwarzwurzelsalat und sämigem Kartoffelgratin. «Hupi-Hans» übernimmt die Schöpfkelle und im Nu sind alle Teller gefüllt. Wir sitzen draussen im Garten unter den Sonnenschirmen und geniessen die entspannte Mittagsruhe bei angenehmen 25 Grad.
Da wir heute eine Rundfahrt im Landesinnern machen, spüren wir kaum Wind und dürfen behaupten, dass es sich temperaturmässig fast wie im Süden anfühlt. Durch das fruchtbare Ammerland radeln wir vorbei an topfebenen Äckern, Maisfeldern und weiten Wiesen, soweit das Auge reicht. Da kommt mir auch grad der Spruch in den Sinn, den man hier oft hört: «Schon morgens sehen wir, wer nachmittags zu Besuch kommt!». Mächtige Traktoren ziehen an uns vorbei und immer wieder begegnen uns andere Radfahrer mit dem freundlichen «Moin» zum Gruss. Prächtige Baumalleen spenden Schatten und zwischendurch durchqueren wir Wälder, die in Ostfriesland eher selten anzutreffen sind.
Im Laufe des Nachmittags erreichen wir das Zwischenahner Meer, das eigentlich ein Binnensee ist. Ein kurzer Halt an der Bootsanlegestelle in Dreibergen ermöglicht einen schönen Blick auf den rund 550 Hektar grossen See, der von zahlreichen Wassersportlern genutzt wird. Wir umrunden den See auf gut ausgebauten Wegen und erreichen schliesslich Bad Zwischenahn, wo unser Bus bereits auf uns wartet. Während die Guides die Räder verladen, bleibt noch etwas Zeit, um sich die Füsse zu vertreten und die historische Windmühle zu bestaunen. Anschliessend können wir uns während der Rückfahrt nach Neuharlingersiel entspannen.
Da die Küche in unserem Hotel heute geschlossen bleibt, geniessen viele von uns noch eine Kleinigkeit aus der örtlichen Bäckerei. So klingt der Tag gemütlich aus und ich nutze die Gelegenheit, meinen Erlebnisbericht bei Tageslicht auf dem kleinen Balkon weiterzuschreiben.
5. Tag | Mittwoch, 27. August: Der Nordseeküstenradweg bis Norden
Auf den heutigen Tag freue ich mich schon lange. Ich liebe die Küste mit den kilometerlangen Deichen, den Schafen und Möwen – sie sorgen für entspanntes Wohlfühlklima. Selbst der Gegenwind gehört hier irgendwie dazu und schon nach wenigen Pedaltritten ist man wieder im «Flow». Die Tour starten wir beim Hafen Neuharlingersiel, fahren zuerst etwas südlich, wo wir im reizenden Städtchen Esens einen kurzen Stopp machen, schwenken aber bald nach Westen, um direkt an der Nordseeküste im Yachthafen von Bensersiel eine Pause einzulegen.
Ab sofort sind wir nur noch auf asphaltierten Deichwegen unterwegs und es rollt fast von alleine. Vorbei an grasenden Schafen auf den erhöhten Deichen – Idylle pur. Guide Hans gibt uns immer wieder etwas Zeit, um Fotos von dieser schönen Küste zu machen. Etwas im Landesinnern, in Nessmersiel, verbringen wir die Mittagspause im Restaurant «Zum alten Hafen». Wie immer werden wir unkompliziert und freundlich versorgt.
Die Weiterfahrt ist nun besonders maritim: direkt entlang der See, in der Luft der Duft von Meersalz und über uns das typische Kreischen der Möwen. Wir haben es wirklich unsagbar schön! Norddeich, ein Stadtteil von Norden, ist ein lebhafter Ferienort mit kleinen Läden, Restaurants und Fähren nach Norderney und Juist. Auf dem grossen Parkplatz steht bereits unser Bus bereit. Die Velos werden eingeladen – wie immer zuverlässig von unseren Guides, die Tag für Tag Grossartiges leisten.
Anschliessend bleibt noch etwas Zeit, um durch den Ort zu flanieren oder sich eine Erfrischung zu gönnen. Bei den sommerlichen Temperaturen ist die Eisdiele natürlich besonders beliebt. So runden wir den heutigen Tag perfekt ab und die kurze Heimfahrt schenkt uns noch etwas freie Zeit vor dem Nachtessen im Hotel.
6. Tag | Donnerstag, 28. August: Idyllisches Norderney
Heute Morgen sind wir selbst für das Frühstück verantwortlich, da wir früh zum Fährhafen in Norddeich aufbrechen müssen. In der nahen Bäckerei erhalten wir alles, was es für einen zufriedenen Start in den Tag braucht. Nach 40 Minuten Busfahrt erreichen wir den Parkplatz beim Fährhafen zur Insel Norderney. Wir nehmen die Räder in Empfang und schon um 9.15 Uhr fährt die Fähre mit uns auf das Meer hinaus. Eine Seefahrt, die ist lustig... aber auf jeden Fall etwas Besonderes! Gut eine Stunde dauert die Überfahrt und die Velotour beginnt im Südwesten der Insel Richtung Osten, der Küste entlang. Wir fahren auf den Deichen und können schon bald Gruppen beobachten, die unter kundiger Führung an einer Wattwanderung teilnehmen. Da wäre ich jetzt auch gerne dabei, aber wir haben andere Pläne.
Graue Wolken ziehen an uns vorbei, die Temperatur und auch der Wind ist angenehm. Die Inselrundfahrt deckt nicht die ganze Insel ab, da der östliche Teil nicht für Radfahrer erschlossen ist. Gegen Mittag gelangen wir bereits an den Nordseestrand , wo die Sonne plötzlich auf uns niederbrennt, passend dazu werfen wir auch einen Blick auf den Badestrand mit herrlich weissem Sand. Zum Baden reicht die Zeit leider nicht, denn man erwartet uns in der «Weissen Düne» mit den vorbestellten Menus. Ab jetzt fahren wir auf gut ausgebauten Pfaden durch die Dünen an die Westküste der Insel, wo wir das Städtchen Norderney erreichen. Am dortigen, touristischen Strand wurde leider etwas gepfuscht; triste Hotelblocks reihen sich an bester Lage. In der bezaubernden Altstadt ist das «Chillen» deutlich angenehmer.
Um 16 Uhr fährt die Fähre wieder zurück zum Festland. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und zahlreiche Blitze am Himmel sorgen für Unruhe. Aber es bleibt trocken. Erleichtert ergreifen wir unsere Räder und verlassen fluchtartig die Fähre. Gruppe Madlen ist komplett und fährt deshalb unverzüglich Richtung Parkplatz. Bereits fallen die ersten Tropfen, aber Madlen kurvt zügig und rasant über all die Verkehrswege. Keine 100m vor dem Bus giesst es aus vollen Kübeln und wir sind innert weniger Minuten völlig durchnässt. «Batterien vom Velo und rein in den Bus!», kommandiert unsere souveräne Leiterin. So sind wir Gäste rasch im Trockenen und sie selbst organsiert den Velo-Verlad. Die anderen zwei Gruppen, kommen nicht so schnell vom Schiff und bleiben am Hafen unter Dach, bis sich das Unwetter etwas verzogen hat. Zum Glück haben wir Ersatzkleider dabei und so können wir auf dem Rückweg zum Hotel Regina in Norddeich, wo wir das Nachtessen vorbestellt haben, trocken am Tisch sitzen. Na, vielleicht die Frisur nicht ganz so «doll», aber wen kümmert’s? Nach dem delikaten Essen geht es nach einem langen Tag, zurück nach Neuharlingersiel.
7. Tag | Freitag, 29. August: Auf Otto's Spuren von Norden bis Emden
Wieder fährt der Bus um 8.45 Uhr vor dem Hotel los. Beim Schloss Lütersburg – das hinter riesigen Bäumen in einem grossen Park versteckt ist – satteln wir unseren Drahtesel. In Norden begrüsst uns schon die erste Windmühle und am Ortseingang von Greetsiel stehen die berühmten Zwillingsmühlen; die rote ist aus dem Jahr 1706 und die grüne etwa 150 Jahre später erbaut worden. Die pittoreske Altstadt mit dem wunderbaren Hafen gehört wohl zu den schönsten Ortschaften im Norden Deutschlands. Dort verweilen wir leider nur kurz, denn die Reise geht weiter – auf Deichwegen erreichen wir den wohl bekanntesten Leuchtturm in Pilsum: den OTTO-Turm der durch Ottos Filme in Ostfriesland zu Ruhm und Ehre gekommen ist. Mit dem Lunchpaket, das wir uns am Frühstücksbuffet selbst zusammengestellt haben, suchen wir ausserhalb von Upleward einen geeigneten Sitzplatz. Zum Glück sind wir alle unkompliziert und so passt auch ein Baumstamm oder ein landwirtschaftlicher Anhänger als Sitzgelegenheit. Nach der Weiterfahrt ins südlich gelegene Rysum entdecken wir die nächste Windmühle. Diese ist sogar für Besucher geöffnet und so steigen wir die schmalen engen Treppen hinauf, um das Innere zu bestaunen und auf dem «Balkon» die Aussicht über das Dorf zu geniessen. Die letzten Kilometer bis zum Einsteigeort fahren wir wieder dem Deich entlang, wo erneut viele Schafe genüsslich am Grasen sind.
Die Gruppe «kurz» fährt noch 17km bis zum «Alten Fritz» - das Monument von Friedrich dem Grossen. Direkt an der Küste, mit Blick zu den Niederlanden, thront er auf einem hohen Sockel. Hier verladen wir die Velos und werden nach Emden gebracht, der Heimatstadt des aussergewöhnlichen Komikers und Sprachakrobaten OTTO Walkens. Die «Langen» sind auf dem direkten Weg – knapp 40km – nach Emden geradelt. Ein kurzer Besuch im «OTTO-Haus» darf nicht fehlen und schon treten wir den Heimweg an. (Velostrecke ca. 65 km)
8. Tag | Samstag, 30. August: Vom Herzen Ostfrieslands an die Küste
Frühstück um 7.45 Uhr und keine Minute vorher, das ist nichts Neues und trotzdem warten wir wieder zu früh vor der Tür. So sind wir halt, wir Schweizer. Auch bei den Treffpunkten auf der Tour freuen sich die Guides über diese Zuverlässigkeit. 50 km Fahrt ins südliche Timmel liegt vor uns. Graue Wolken verfolgen uns auf dem Weg dorthin. Doch pünktlich zur Velotour scheint wieder die Sonne. Auf gut ausgebauten Velowegen kommen wir nach Ostgrossfehn. Dort sucht Madlen für uns einen gemütlichen Gasthof aus, wo wir draussen freundlich und speditiv mit Kaffee versorgt werden. Nachher fahren wir in die Altstadt von Aurich, der zweitgrössten Stadt Ostfrieslands. Die Mittagspause verbringen wir individuell in den fröhlich herausgeputzten Gassen und Plätzen. Guter Dinge fahren wir weiter durch unzählige Baumalleen, über asphaltierte, betonierte und verklinkerte Wege – einige sind schon ziemlich defekt und sorgen für äusserst holprigen Untergrund. Zur Abwechslung fahren wir wieder den Kanälen entlang und ab Bensersiel geniessen wir die letzten Kilometer direkt der Nordsee entlang und verfolgen das Wolkenspiel am Himmel. Auf dem Parkplatz gleich hinter dem Hotel entladen wir unsere Velos und können im hübschen Neuharlingersiel zum letzten Mal die Abendstimmung geniessen
9. Tag | Sonntag, 31. August: Entlang der Dollart Bucht
Mit gepackten Koffern und Taschen, Velobatterie und Jacke stehen wir vor dem Hotel in Neuharlingersiel. Heute geht es nur noch südwärts. Nach ca. 1 ½ Stunden Busfahrt parkiert Dan am Stadtrand von Leer – vor einem Tanzschuppen. Also Vorsicht, Glasscherben nicht auszuschliessen! Heute fahren alle Gruppen die gleiche Rundtour und somit die gleich lange Strecke von 55km. Wir müssen mit Rücken- und «Bauch»-Wind rechnen und gemäss Wetterkarte vor allem mit Regen. Durch sogenannte Polderlandschaften (eingedeichte, niedrig gelegenes Gelände) vorbei an einem riesigen Aderwerk von Sieltiefs und Gewässern fahren wir nach Ditzum auf der internationalen Dollard-Route, ein Radwander-Rundkurs durch Deutschland und den Niederlanden von einer Gesamtlänge von rund 350 km. Direkt an der Ems und an der Dollart-Bucht gelegen, werden wir beim «Fischhaus» erwartet. Gemäss Vorbestellung erhält nun jeder sein gewünschtes Fischbrötchen – für mich eines mit Fisch-Frikadellen. So was von lecker! Wer will, kann hier in den Bus steigen, was uns schon etwas reizt – fallen doch bereits die ersten Regentropfen. Aber so wie es aussieht, möchte jeder auch noch die letzte Etappe miterleben und stülpt sich vorsichtshalber den Regenschutz über – für Helm, Gepäck und Körper. Aber wir werden verschont und packen alles zurück in die Taschen.
Bei Bingum, kurz vor Leer, gibt es nochmals einen Stopp bei der Jann-Berghaus-Brücke. Sie ist eine der grössten Klappbrücken Mitteleuropas. Um 15 Uhr erreichen wir den Parkplatz, wo unsere Räder das letzte Mal in den Bus geladen werden. Was für ein Luxus; Tag für Tag luden die Guides unsere Velos ab und auf – ein herzliches Bravo an dieser Stelle! Wir Gäste dürfen ohne Ballast in die Altstadt von Leer spazieren und – wen wunderts – in einem der reizenden Cafés einkehren, Friesentee und Apfelstrudel ein Muss. Ein netter Abschluss unserer heutigen Velotour. Schon nach einer Stunde Busfahrt sind wir in Lingen, unserem letzten Übernachtungsort. Frisch geduscht versuche ich nun mein Velo-Equipment im Koffer klug zu verstauen. Mh .... komisch, irgendwie hat einfach nicht mehr alles so richtig Platz. Aber dann hänge ich halt etwas mehr an den Rücken. Guter Dinge und zeitlich doch etwas knapp, eile ich zum Steakhouse zum Nachtessen. Wir werden mit dem vorbestellten Menu bedient und unsere Bäuche sind schon wieder voll, bevor der Teller leer ist. Somit beschliessen wir unsere Ostfrieslandreise mit diesem köstlichen Essen und einem Glas Rotwein.
10. Tag | Sonntag, 31. August: Entlang der Dollart Bucht
Die Rückreise am frühen Montagmorgen über Köln und Karlsruhe nach Rütihof verläuft problemlos. Trotz trägem Kolonnenverkehr um die Ballungszentren der grossen Städte, erreichen wir unser Ziel pünktlich.
Fazit:
Dank dem herrlichen Wetter bei warmen Temperaturen und erträglichen Winden durften wir eine angenehme, eindrückliche Ostfriesenland-Tour erleben! Kaum Erhebungen und Weitsicht ohne Ende prägten diese Reise. Zugegeben, manchmal hätte man etwas mehr Abwechslung gewünscht, als kilometerlange, schnurgerade Wege. Das äusserst hübsche Hotel in Neuharlingersiel direkt am nostalgischen Hafen hat für herrliches Wohlfühlklima gesorgt. Das Essen war stets hervorragend und vor allem reichhaltig ...Der herbe «Charme» der Nordländer wurde von den einen oder anderen Gästen als unhöflich empfunden, mir hingegen gefällt die direkte und pragmatische Art. Ostfriesland – immer eine Reise wert!